User:Ameisenigel/Wikimania 2025
Die diesjährige Wikimania begann nicht, wie man meinen könnte, am ersten Tag, sondern bereits einen Tag zuvor. Es gab nämlich am Tag vor der Eröffnungsfeier eine Reihe verschiedener Vorkonferenzen. Ich habe mich hier für die Teilnahme an der Users with Extended Rights Convening entschieden. Eine solche gab es in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt. Ein Teilnehmer merkte hier sehr treffend an, dass es toll ist, dass so etwas stattfindet, dass es jedoch auch schade ist, dass es bis dahin 20 Jahre gedauert hat. Zunächst gab es hier die Möglichkeit, sich an verschiedenen Tischen über unterschiedliche Themen zu informieren. Für mich waren hierbei insbesondere Tools für Admins sowie die sich derzeit in Entwicklung befindliche Funktion Edit check von Interesse. Im weitere Programm folgte dann eine Diskussion rund um kleine Wikis, was nicht nur einen Blick über den Tellerrand, sondern auch interessante Aspekte für meine Tätigkeit als globaler Administrator lieferte. In Anbetracht der in dewiki rückläufigen Anzahl an Administratoren und Adminkandidaturen war auch das folgende Thema der Gewinnung und Erhaltung von Administratoren von Bedeutung. Insbesondere der in der ukrainischsprachigen Wikipedia funktionierende Ansatz der temporären Vergabe von Adminrechten mit geringeren Hürden und der anschließenden Möglichkeit zur Kandidatur für permanente Adminrechte ist durchaus bedenkenswert, wenn auch sicherlich nicht 1:1 in andere Wikis übertragbar. Nach dem Mittagessen folgten dann einige Kurzvorträge, bei denen unterschiedlichste Themen vorgestellt wurden. Insbesondere ein Beitrag zur Überprüfung der Echtheit von Emails anhand von DomainKeys Identified Mail war dabei für mich etwas neues. Zum Abschluss wurde dann noch über das stets aktuelle Thema NPOV diskutiert. Auch hier waren die unterschiedlichen Perspektiven der Nutzer aus den verschiedenen Projekten eine Bereicherung. Zu guter letzt muss natürlich auch noch der Star der Veranstaltung erwähnt werden: Moppy the Mop!
An Tag 1 besuchte ich zunächst eine Sitzung zum Thema dezentralisierter Softwareentwicklung. Erfreulicherweise wurden dabei nicht nur theoretische Dinge diskutiert, sondern auch konkret Projekte vorgestellt, die von lokalen Communitys umgesetzt wurden. Es folgte eine Sitzung mit dem Product and Technology Advisory Council. Von dessen Existenz wusste ich zwar, anhand der Sitzung war es allerdings möglich, ein wesentlich besseres Verständnis von dessen Tätigkeit zu erhalten, da die Seiten im Meta-Wiki doch eher allgemein und wenig praxisbezogen gehalten sind. Aufgrund meiner Aktivität auf Wikidata habe ich auch dafür relevante Sitzungen besucht. In der ersten hiervon wurde unter anderem das mir bis dahin unbekannte Tool OWID Gadget vorgestellt, mit dem Visualisierungen für Artikel anhand von SVG-Dateien auf Commons möglich sind. Der folgende Beitrag der Open Knowledge Foundation war leider aufgrund technischer Probleme arg beeinträchtigt. Immerhin ansatzweise konnte man allerdings einzelne Projekte und Tools kennenlernen. Beim folgenden Beitrag im Rahmen des Wikimedia Futures Lab wurde dann in Gruppen über verschiedene Aspekte hinsichtlich der Zukunft von Wikimedia gesprochen, insbesondere in Bezug auf Infrastruktur, Konsumieren und Beitragen. In weiteren Sitzungen informierte das Human Rights Team der WMF beispielsweise darüber, welche Unterstützung und welche Materialien sie anbieten können, was gerade auch für Administratoren von Interesse ist und die Rechtsabteilung berichtete über ihren Umgang mit Klagen, wobei auch konkrete Fälle vorgestellt wurden, in denen kürzlich Entscheidungen gefallen sind. Schließlich folgte der traditionelle Höhepunkt des ersten Tages, die Eröffnungsfeier: Hierbei war auch ein Einblick in die ostafrikanische Kultur möglich, zum einen durch Tänzer/Trommler aus Burundi, zum anderen durch das kenianische Projekt der Ghetto Classics. Bei der Ehrung der Wikimedianer des Jahres wurden dann noch einige Benutzer für ihre Verdienste in der Wikimedia Community geehrt. Ein gelungener Abschluss für diesen Tag!
Tag 2 begann für mich mit einem Workshop zu Spendenbannern. Dabei wurde in Kleingruppen thematisiert, wie sich potenzielle Spender erreichen lassen oder eben auch nicht erreicht werden. Laut Aussage des zuständigen Mitarbeiters der WMF sollen die aus dieser Sitzung gewonnenen Erkenntnisse in die zukünftige Arbeit mit einbezogen werden. In der folgenden Sitzungen wurde aus Indien berichtet, wie technische Veranstaltungen so geplant und durchgeführt werden können, dass sie möglichst effektiv und nachhaltig sind. Im folgenden Beitrag wurde dann das Tool Wikifile-transfer vorgestellt. Dies ist für dewiki sicherlich wenig interessant, da es für den Transfer von nicht-freien Dateien gedacht ist, die in dewiki bekanntermaßen nicht zulässig sind, für viele andere Projekte ist es hingegen durchaus hilfreich. Auch hier haben allerdings Probleme mit der Internetverbindung die Demonstration etwas beeinträchtigt. Schließlich folgte als letzter Punkt vor der Mittagspause eine Podiumsdiskussion zum aktuellen Thema KI. Dabei wurden durch die verschiedenen Gäste unterschiedliche Perspektiven eingebracht, allerdings blieb leider nur wenig Zeit für Fragen aus dem Publikum. Nach einem interessanten Gespräch mit einem Wikimedianer aus Chile während des Mittagessens folgte eine Sitzung mit dem Schwerpunkt auf der Belastung der Wikimedia-Infrastruktur durch KI. Hier war es besonders interessant, auch konkrete Daten und Verläufe zur Auslastung der Server zu sehen. Anschließend gab es eine Sitzung, in der man mit Mitgliedern des Kuratoriums ins Gespräch kommen konnte. Da recht viele Mitglieder anwesend waren, wurde in mehrere Gruppen aufgeteilt über verschiedene Themen gesprochen. An dem Tisch, an dem ich war, war dies insbesondere der Rückgang an aktiven neuen Benutzern sowie die Gewinnung und das Onboarding von Administratoren. Dann folgte noch der erste Teil der Kurzvorträge. Hier wurde wieder eine große Bandbreite von Themen behandelt. Für mich besonders interessant waren dabei die Beiträge zu Wiki Loves Monuments in der Ukraine, zu Wikipedia als Digital Public Good und zur Nutzung der Wikipedia Library. Als Abschluss des Tages folgte schließlich wie im Vorjahr ein unterhaltsames Quiz, das nebenbei etwas „unnützes Wissen“ vermittelt hat. Dazu wurden Stroopwafeln gereicht.
An Tag 3 ging es zunächst um Missbrauchsfilter. Ein Kollege aus der polnischen Wikipedia stellte das überaus nützliche Tool AbuseFilter analyzer vor, das die Arbeit mit Missbrauchsfiltern erleichtert. Weiter ging es mit einem Beitrag rund um die Verrücktheiten in der Wikipedia und warum die Wikipedia „weird“ bleiben sollte. Schließlich war mal wieder das Thema KI dran. Diesmal wurde anhand von Beispielen gezeigt, wie KI mit boshafter Absicht eingesetzt werden kann, um unsere Projekte zu schädigen. Es war sowohl interessant als auch beängstigend, sich mit dieser Gefahr zu beschäftigen. Von besonderem Interesse ist an dieser Stelle natürlich, wie man sich gegen diese Gefahr wehren kann. Interessant war auch der darauffolgende Vortrag, der sich mit den Auswirkungen der KI auf unsere Umwelt beschäftigte. Nach dem Mittagessen folgte dann eine Sitzung zu Wikifunctions. Als dort aktiver Benutzer bin ich zwar hinreichend mit dem Projekt vertraut, jedoch gab es auch hier ein paar Neuigkeiten, insbesondere hinsichtlich des Zeitplans. Auch die Möglichkeit zur gemeinsamen Arbeit an Funktionen war sehr erfreulich, so habe ich beispielsweise diese Funktion während der Sitzung erstellt. Es folgten wiederum diverse Kurzvorträge. Neben Jimmy Wales, der sein neues Buch vorstellte, wurden auch einige weitere interessante Projekte präsentiert. Besonders beeindruckt haben mich ein Projekt, bei dem Menschen mit Behinderung erlernen, Wikipedia zu bearbeiten, sowie das Vorlesen einiger Dankesschreiben von Spendern, die Wikimedia Frankreich erhalten hat. Zum Abschluss des Tages gab es schließlich noch eine Karaoke-Veranstaltung, bei der Lieder aus aller Welt zum besten gegeben wurden. Eigentliches Highlight jedes Karaoke ist natürlich ABBA!
Den ersten Programmpunkt von Tag 4 behandle ich unten ausführlicher. Weiter ging es danach mit Neuigkeiten zur Wikipedia Library. Erfreulicherweise sind hier weitere Angebote in der letzten Zeit hinzugekommen, insbesondere auch aus Ländern, die bisher weniger stark vertreten waren. Seitens der WMF ist man auch weiterhin bestrebt, neue Partner zu finden oder aber auch die Kooperation mit bisherigen Partnern weiter auszubauen. In der nächsten Sitzung wurde es dann interaktiv. Via Mentimeter konnte aus dem Publikum direkt zu den Herausforderungen der Wikipedia in Zeiten von KI, Fehlinformationen und mobilem Konsumieren und Bearbeiten Stellung zu den aktuellen Fragen genommen werden. Hier gab es eine gute Möglichkeit, die eigenen Sorgen sowie wichtige Aufgaben für die Community zu thematisieren. Nach der Mittagspause standen dann mehrere Teams der Foundation Rede und Antwort zu Themen wie den Growth-Tools (Neulingsstartseite), Bearbeitungstools und den neuen Kampagnenfunktionen. Hier gab es Informationen zu neuen Entwicklungen und zukünftigen Plänen. Erfreulich ist hier insbesondere, dass gerade auch an der Umsetzung von Anregungen aus dem letzten Jahr gearbeitet wird. Schließlich gab es noch kurze Präsentationen von mehreren Wikimedians of the Year. Obligatorisch war natürlich ein Beitrag vom Hexer zu CentralNotice. Daneben gab es aber auch Informationen über andere interessante Projekte, wie etwa WikiPortraits. Zum Abschluss folgte natürlich noch eine feierliche Beendigung der Veranstaltung inklusive Abschlussparty. Auch hier gab es zum Glück nochmal einen Einblick in die lokale Kultur in Form von Tanz und Gesang.
Bericht über eine Einzelveranstaltung
Ausführlicher berichten möchte ich hier über die Sister Projects Consultation. Dieser Programmpunkt stand im Zusammenhang mit den öffentlichen Konsultationen zu Wikinews und Wikispore auf Meta. Das Kuratorium hatte hier die Schließung von Wikinews empfohlen und beschlossen, Wikispore nicht als neues Schwesterprojekt zu genehmigen. Anwesend waren mehrere Mitglieder des Kuratoriums, die sowohl auf Fragen eingehen als auch die Sichtweise des Kuratoriums erläutern konnten. Nach einer kurzen Vorstellung der Erkenntnisse, die vor Beginn der Konsultation gesammelt wurden, begann der Austausch. Schwerpunktmäßig wurde hierbei über Wikinews gesprochen. Spannend fand ich hier insbesondere die unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven, die die Anwesenden basierend auf ihren jeweiligen Sprachversionen einbringen konnten. Auch die verschiedenen Sichtweisen dazu, welche Vorgehensweisen für die Zukunft sinnvoll sind, haben hier die Vielschichtigkeit unserer Communitys widergespiegelt. So entwickelte sich eine lebhafte und konstruktive Diskussion, in der auch ich meine Erfahrungen aus kleineren Projekten mit einbringen konnte. Gegen Ende der Diskussion kam das Gespräch dann auch noch auf das potenzielle Schwesterprojekt Wikispore, das derzeit auf wmflabs.org beheimatet ist. Dieses sollte wie ein Inkubator für neue Wikimedia-Schwesterprojekte fungieren. Thematisch passend wurde hierzu während der Wikimania auch ein Meinungsbild auf Meta gestartet, wo Benutzer:Pharos Vorschläge für die Zukunft dieser Projekte zur Diskussion gestellt hat. Hier ist auch weiterhin eine Beteiligung möglich.
Was hat mir persönlich die Teilnahme an der Wikimania gebracht und konnte ich anderen etwas weitergeben?
Viel zu oft beschäftigen wir uns nur mit uns selbst, hingegen bietet die Wikimania die Möglichkeit, den Blick zu weiten. Konkret habe ich es als sehr hilfreich empfunden, mehr über die Bedürfnisse in anderen Communitys zu erfahren. Dies ging auch damit einher, sich Lösungen anzuschauen, die bereits in anderen Wikis entwickelt wurden. Nun ist mit Sicherheit nicht jede Lösung für jedes Wiki geeignet, aber wir müssen auch nicht stets das Rad neu erfinden. Ein besonderes Highlight war für mich die eingangs beschriebene Users with Extended Rights Convening. Diese Gelegenheit zum wikiübergreifenden Austausch über adminrelevante Themen war eine besondere Möglichkeit, um von anderen zu lernen, gleichzeitig aber auch seine eigenen Erfahrungen zu teilen. Für mich als technisch interessierten Nutzer waren natürlich auch die diversen Tools und Skripte, die ich im Laufe der Wikimania kennenlernen durfte, von großem Interesse. Dies gilt insbesondere für dkimcheck, OWID und AbuseFilter analyzer. Auch der Beitrag rund um die Growth-Tools war sehr interessant, hier konnte ich bereits wenige Tage später bei einem Treffen zur Neulingsunterstützung ein paar Neuigkeiten weitergeben. Besonders gewinnbringend waren insbesondere die interaktiveren Sitzungen, bei denen direkte Fragen/Diskussionen möglich waren. Dies ermöglichte oftmals einen schnelleren Austausch, als er On-Wiki möglich gewesen wäre.